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Beim Zahnarzt

Gedichte 20 Juni 2022




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zum Zahnarzt geh‘ ich heut
obwohl mich der Besuch nicht freut
bemüht ist er, mich wieder lachen zu lassen
all‘ Zahnschmerz, den will ich hassen

die Helferin, die freundlich ist,
solange du noch beim Einchecken bist
Datenschutz und Impfnachweis
Corona Plus und Allergien auf Reis

dann sitzt du brav im Wartesaal
ohne zu lesen, weil das Licht so fahl
die Bilder, die die Wände zieren,
durch drei Jahrzehnte darf ich spazieren

hier und da hör ich ein Reden
E4, A7, wer wird den Rasen pflegen?
der Bohrer, der mich schon theoretisch quält
ich glaub, der ist als CD laut eingestellt

dann endlich, der Ruf nach mir
rechter Gang, Zimmer vier
türkiser Sitz und Waffen, Skalpell
mein Sudellatz an Ketten schnell

früher gab‘s die Bilder klein
ohne Brille, kein lichter Schein,
heute in der digitalen Welt
vergrößert, wie es der Finger stellt

Mund auf! du armer Wurm
nun hör ich ihn, auf die Plomben im Sturm
plötzlich werd‘ ich aufs Gebiss minimiert
ich ahnte schon, dass es passiert

alle Zähne, die bei mir im Mund
haben einen Namen, Nummer, Hintergrund
der eine gefüllt, der andre fehlt
ob hier alles richtig gezählt?

die gute Fee, die dich bringt hierher
die liegt dir plötzlich zentnerschwer
auf Lunge, Kopf und linkem Arm
vorbei ist es mit Flirt und Charme

„ein Spritzchen?“ hörst du den Mediziner sagen
wollte er dich wirklich fragen
oder will er dich nur quälen,
an allen dir zum Geschmack notwendigen Stellen

plötzlich wird‘s im Munde eng,
Instrumente, Hände, Wasser, Tupfer, Spiegel,
Absaugsträng‘
all das, was zuvor noch Geschick
jetzt kommen Stress, Angst und auch Panik

während Du angespannt
in Deinem Munde die vierte Hand
vor lauter kreischend Bohrer Geräusch
siehst du dich ersticken im Kabelgeschläuch

die Frage der Helferin, ob alles passt
die hast du dein Leben lang gehasst
wie soll ich den helfend Wesen
nun einen überschlagen mit dem Besen?

die Antwort fehlt, es kommt von mir ein Stöhnen
dieses klingt nach nie mehr versöhnen
die Spritze wirkt nicht, die Wurzel wund
ich verkrampf mich bis zum Haares Grund

die Beine zusammen, eng gestresst
ich liege da, ob ihr mich wohl als Mensch
vergesst?
der erste Versuch des Ziehens misslang
ich weiß nicht, wem wünsch ich jetzt mehr den
Strang

der Schmerz wird schlimmer, ich könnt schrein
die zwei kriegen doch eh nichts mit in ihren Reihn
klar muss er raus, der schmerzende Lümmel
jedoch wollt‘ ich nicht zeitgleich in den Himmel

verkrampft, wie in den letzten Zügen
der Arzt sucht ein Instrument, vllt zum Umpflügen
irgendwie hab‘ ich das Gefühl
als ob diese Wurzel nie mehr raus kommen will

bei all dem Leiden hab ich vergessen
vorher die Uhr zu messen
um 14 Uhr werd ich abgeholt
wenn ich tot, ob dieses Taxi noch gewollt?

und plötzlich wird es ein wenig weicher
ich spür', wie ich um 4 Gramm leichter
vor mir das Ding in der Schale da
der Arzt näht schon und redet von Antibiotika

ich schaff‘ es mich nach all dem zu befreien
entferne mich aus ihren Reihen
eine Packung Ibu wird mir gegönnt
die ich grad auf einmal alle fressen könnt'

hinaus, hinfort, ich flüchte schnell
weil ich lieber das Warten im Regen wähl
es geht mir schlecht, es geht mir übel
noch immer stöhn ich, Tränen ohne Zwiebel

Text und alle Rechte: Jürgen Eiden
Sprecherin: Corinna Rösel



















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